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Working Poor - Arm trotz Arbeit
Einen oder mehrere Jobs haben und trotzdem nicht über die Runden kommen - in den USA ein seit den frühen 90ern bekanntes Phänomen, das in den letzen Jahren über den großen Teich schwappt. Die "arbeitenden Armen" sitzen an Fließbändern und Supermarktkassen oder - so die in Wallraff-Manier recherchierende US-Autorin Barbara Ehrenreich - "vernachlässigen ihre Kinder, weil sie auf die von anderen aufpassen müssen". Sie sind oft ohne Schulabschluss, oft auch nur jenseits der 50 - oder alleinerziehend. Bei ehemals gut Verdienenden ist der Verlust des Arbeitsplatzes typischer Ausgangspunkt eines Karriere-Abwärtssogs: Laufende Fixkosten und das Unvermögen, ihr Konsumverhalten rechtzeitig der schwindsüchtigen Finanzlage anzupassen, drücken Arbeitslose im Haifischbecken dubioser Kreditinstitute so unters Wasser, dass sie sich auch durch die verzweifelte Häufung von Minijobs nicht mehr "herausarbeiten" können. "McJobs" und "prekäre Beschäftigungsverhältnisse": In den letzten Jahren mehren sich die Anzeichen, dass auch in Deutschland die Zahl der arbeitenden Armen ansteigt. Der gewerkschaftsnahe Ökonom Claus Schäfer spricht von einer wachsenden "Lohn-Gewinn-Spreizung": Unternehmens-, Kapital- und Zinseinkünfte steigen stärker als die Nettolöhne. Verantwortlich dafür ist neben der Belastung der Arbeitseinkommen durch steigende Sozialkosten vor allem der Anstieg so genannter "prekärer Beschäftigungsverhältnisse": Um 1980 verdienten sich laut Schäfer rund 15 Prozent der deutschen Arbeitnehmer ihr Brot im Rahmen von Teilzeitarbeit, geringfügiger Beschäftigung, Leiharbeit oder Scheinselbständigkeit - 20 Jahre später bereits über ein Drittel. Wohlhabend, "Normalo" oder schon unter dem Existenzminimum? Kleidung ist bei uns billig zu haben - Armut oft nur auf dem Konto sichtbar. Sozialwohnungen: Oft das letzte Domizil vor der Obdachlosigkeit Mindestlohn als Ermessenssache: Mit "Hartz IV", einem Kernstück der Agenda 2010, will die Bundesregierung die Sozialkosten reduzieren, Arbeit billiger machen und so neue Arbeitsplätze schaffen. Der Nebeneffekt: Die Absenkung des Arbeitslosengeldes und die Verschärfung der Zumutbarkeitskriterien zwingen Arbeitslose in "prekäre Beschäftigungsverhältnisse" a la Marker, deren Verdienst zur Existenzsicherung mitunter nicht ausreicht. Vor allem nicht gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmer müssen dann oft schmerzlich feststellen, dass es in Deutschland - anders als etwa in Frankreich, Großbritannien und Spanien - keinen staatlich festgeschriebenen Mindestlohn gibt. Schon 2001 arbeiteten 3,7 Prozent der deutschen Sozialhilfeempfänger in Vollzeitjobs; Tendenz: stark steigend. "Das kann ich auch!": Die Situation in Bayern: Auch in Bayern sind nicht nur Erwerbslose und Minijobber vom Abrutsch unters Existenzminimum bedroht. Manche Münchner Postboten könnten von ihren 20.000 Euro Jahreseinkommen ohne Wohngeld die Miete nicht zahlen. Bedrohlich knapp wird das Geld zur Monatsmitte auch bei vielen Taxifahrern, Wachleuten und Gebäudereinigern. 300.000 bayerische Haushalte sind total überschuldet - und ihre Zahl wächst mit der zunehmenden Werbe-Verlockung durch Sofortkredite weiter an. Die Gegenkonzepte der bayerischen Landtagsparteien sind unterschiedlich: Die CSU will vor allem Familien unterstützen und denkt über einen steuerlichen Kinderbonus nach. Die Zukunftskommission der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung favorisiert ein allgemeines "Bürgergeld", das auf den Lohn von Arbeitnehmern unterm Existenzminimum angerechnet werden soll. Quelle:http://www.br-online.de
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